Dieses Jahr habe ich dafür gesorgt, dass sich ein Traum von mir erfüllt: Ich habe uns Vieren ein Floß gemietet, auf dem wir im Sommer für eine Woche gewohnt haben. Und zwar eins, mit dem wir von Neuruppin aus über die Seen getuckert sind. Wir konnten fahren, so lange und wohin wir wollten und einfach anlegen oder ankern, wo es uns gefiel. Und natürlich jederzeit ins Wasser hüpfen – das Ganze in der wunderschönen Natur des Ruppiner Seenlands

Genau diese Freiheit hatte ich mir schon lange so herrlich vorgestellt. Früher bei Paddeltouren auf der Mecklenburger Seenplatte schaute ich ein bisschen neidisch auf die Flöße, an denen wir vorbeikamen. Denn die hatten, wie eine Wasserschnecke, ihr Häuschen mit allem drum und dran direkt auf dem Rücken dabei, hatten keinen Druck, den Zeltplatz für die heutige Übernachtung noch zu erreichen oder – und das fand ich am beneidenswertesten – eine geeignete Badestelle zu finden… Nachdem mich ein Freund sehr gut beraten hatte, buchte ich unser Floß dann bereits im März. Wer mich kennt, weiß, dass ich unsere Sommerunterkünfte oft viel, viel später organisiere. Aber diesmal wollte ich mich von der Unsicherheit darüber, ob das wohl wirklich gut werden würde, nicht abhalten lassen. Anders als sonst hatte ich ja auch schon eine ziemlich konkrete Idee, was wir machen wollten – Floßfahren halt!

Ein bisschen Sorge, wie es dann wohl werden würde, hatte ich dann in den Wochen vor dem Urlaub doch. Was würden wir machen, wenn das Wetter ganz furchtbar (oder auch einfach nur regnerisch) werden würde? Würden wir uns auf dem doch eher schlicht eingerichteten Floß überhaupt wohlfühlen? Würden wir uns nicht vielleicht doch furchtbar langweilen, so den ganzen Tag auf dem kleinen Gefährt? Aber vielleicht würde es ja auch einfach nur gut werden!

Wo die Reise starten sollte, habe ich ganz pragmatisch entschieden. Von uns aus fährt man keine zweieinhalb Stunden nach Neuruppin. Das fand ich gut. Trotz dieser kurzen Anreise fühlten wir uns gleich im Urlaub angekommen, sobald wir den Steg am Ruppiner See betraten, an dem unser Zuhause auf Zeit vertäut lag. Und dann durften wir schon auf unser Floß – ein TS 1000, wie Chris mir fachmännisch empfohlen hatte ;-)



Nach der sehr netten, unkomplizierten Einweisung fuhren wir schnell noch einmal mit dem Auto los, um unsere Vorräte direkt für mindestens 5 Tage aufzufüllen. Sooo viele Einkaufsmöglichkeiten gibt es dann auch wieder nicht, insbesondere, wenn man auch ein bisschen umherfahren möchte und dennoch nicht den ganzen Tag unterwegs sein wollte. Vor allem Trinkwasser war wichtig. Und natürlich Süßigkeiten und Snacks! Ansonsten entschieden wir uns für einfache Gerichte – mit den zwei Gasflammen in der Floßküche konnte man prima typische Campingmahlzeiten zubereiten. Aber ich sags euch: Pfannkuchen zu brutzeln, während du mitten über den Zermützelsee tuckerst, ist schon etwas besonderes. Und diese dann auf der großen Terrasse auf dem Wasser zu verspeisen, ein besonderer Genuss :-)

Eine solarbetrieben große Kühlbox hielt die Lebensmittel frisch. Stauraum gab es genug, außerdem ein Schlafzimmer für die Eltern und einen Schrank mit Hochbett für die Kinder ;-)

Schon beim ersten Ablegen von Neuruppin fiel ganz, ganz viel Stress von mir ab und ein richtiges Sommerferienglücksgefühl durchströmte mich. So ein Gefühl wünsche ich mir eigentlich für jeden Urlaub. Aber kaum einmal hat es damit so unmittelbar und nachhaltig geklappt wie dieses Mal. Nun hatten wir auch wirklich Schwein: Das Wetter war wunderwunderbar. Erst recht auf dem Floß. Denn da wehte auch bei wirklich heißen Temperaturen immer ein erfrischender Wind. Und abends zum Schlafen, von zwei Ankern sicher in Position mitten auf dem See gehalten, war es angenehm kühl. Selbst die Mücken hatten entschieden, uns kaum zu ärgern. Waren wir einmal leichtsinnig an Land gegangen und hatten dafür – oh Horror! – Schuhe anziehen müssen, waren wir alle vier jedes Mal richtig froh, sobald wir nach dem Landgang wieder die Planken des Floßes unter den nackten Fußsohlen spürten – viel besser!




Was die Langeweile angeht: Die war kein großes Problem. Elin musste sich in den ersten zwei Tagen ein bisschen an den langsamen Tagesrhythmus gewöhnen. Dann hatte sie sich aber auch eingefunden, las in beeindruckender Geschwindigkeit ein Buch nach dem anderen, spielte mit uns Gesellschaftsspiele und Wolkenfiguren erraten, beobachtete die Libellen, Fische und Wasservögel, ließ die Füße während der Fahrt ins Wasser hängen, sang mit Daniel zu Gitarrenmusik, steuerte fachmännisch das Floß und – badete und schwamm, wann immer sie Lust hatte.





Ich selber hatte gar kein großes Verlangen, vom Floß weg in andere (Lese)Welten einzutauchen. Warum auch, wenn ich einfach nur dasitzen konnte und dem Fischadler beim Jagen fürs Abendessen beobachten konnte oder versuchte, in meinem kleinen Skizzenbuch ein wenig Urlaubsstimmung einzufangen. Allerdings hatte ich mir im Supermarkt ganz spontan ein Kreuzworträtselheft besorgt, was mir dann den ganzen Urlaub sehr viel Freude bereitete.



Auch Daniel und Linus lasen viel, genossen das Leben, meisterten mit uns gemeinsam die Schleusen, saßen wohl am meisten am Steuer und trackten (in Linus‘ Fall) gewissenhaft unsere Tagestouren und Durchschnittsgeschwindigkeiten. Meist fuhren wir jeden Tag ein ganzes Stück, bevor wir uns einen schönen Platz für die Nacht suchten. Einen Tag schauten wir uns Neuruppin an und gingen abends essen. Und einen Tag verbrachten wir gänzlich an einem Liegeplatz. Da waren wir schon so entspannt, dass uns trotzdem nicht langweilig wurde.







Knapp sieben Tage waren wir auf dem Floß und es fühlte sich auf die beste Weise viel länger an. Ja, die Kinder waren froh, das „eklige“ Pumpklo hinter sich zu lassen und auf unsere Anschlusswoche in Thüringen mit konventioneller Ferienwohnung in Eisenach freuten wir uns auch alle. Dennoch: mein Traum war in Erfüllung gegangen und es war noch schöner gewesen, als erhofft – und natürlich tausendmal besser, als befürchtet!





